Leidest du unter einem Konflikt? Unter Streit mit dem Partner oder der Partnerin? Auseinandersetzungen am Arbeitsplatz? Einem Konflikt mit der Vorgesetzten? Stress mit pubertierenden Kindern? Ja, ein Leben ohne Konflikt gibt es nicht. Damit du im Konflikt handlungsfähig bleibst und sogar etwas Gutes daraus für dich selbst mitnehmen kannst – darum geht es in diesem Blogbeitrag.

 

Was ist ein Konflikt? Ein Konflikt ist ein Zusammenstoß von unterschiedlichen Bedürfnissen. Die Bedürfnisse können in mir selbst sein. Dann habe ich den Konflikt mit mir selbst. Oder ich habe einen Konflikt mit einer anderen Person, weil sich unsere Bedürfnisse im Weg stehen. Und weil wir Menschen eben so unterschiedlich sind, stoßen unsere Interessen auch immer wieder aufeinander. Und dazu bedarf es nicht mal einen anderen Menschen. Ich habe ja auch in mir selbst unterschiedliche Teile, die miteinander im Konflikt sein können. Der Teil, der ein gesundes Leben führen möchte mit dem Teil, der jetzt unbedingt diese Torte essen will. Kommt dir das bekannt vor?

Das Gute am Konflikt. Es ist nicht möglich, ohne Konflikt durchs Leben zu gehen. Und ganz ehrlich, es wäre auch total langweilig, wenn es keine Konflikte geben würde. Ein Konflikt zwingt mich innezuhalten und meine Richtung zu überprüfen. Eventuell für meine Werte einzutreten, wenn ich erkenne, ich bin am richtigen Weg. Oder auch mal die Richtung zu wechseln. Dadurch ermöglicht mir ein Konflikt auch immer eine neue Sichtweise und Weiterentwicklung.

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Wir brauchen beides im Leben, den Konflikt und das Gegenteil. Der Kommunikationspsychologe Schulz von Thun beschreibt das sehr gut in seiner Anleitung zum dialektischen Denken. Am Ende des Artikels findest du die Literaturangabe. Jeder Wert und jede Tugend oder Persönlichkeitsmerkmal kann nur dann zur förderlichen Wirkung gelangen, wenn es sich in ausgehaltener Spannung zu einem positiven Gegenwert, einer Schwestertugend befindet. Es braucht die Balance, den goldenen Mittelweg. Ansonsten kommt dieser Wert zu seiner entwertenden Übertreibung. Das heißt, der Konflikt braucht auch den Frieden oder die Versöhnung mit dem Partner des Konflikts. Beides ist gleich wichtig. Sonst führt das zur Überzeichnung. Dann wird man entweder wird zum Ja-Sager und gibt immer klein bei. Oder man schaukelt den Konflikt auf bis zur Zerfleischung. Auch keine schöne Vorstellung.

 

Konflikt lösen. Wenn du einen Konflikt mit dir selbst hast, dann kann dir auch diese Übung helfen, die ich in meinem letzten Beitrag beschrieben habe. https://inpowermind.at/2018/10/11/unzufriedenheit-managen/

Du kannst aber auch einfach eine pro/contra Liste erstellen. Was spricht dafür, was spricht dagegen? Ein innerer Konflikt hat immer mit einer Selbstanalyse zu tun. Folgende Fragen können dir dabei helfen, dem Konflikt auf die Spur zu kommen. Denn manchmal hast du nur ein vages Gefühl der Unzufriedenheit und musst deine inneren Stimmen erst zum Reden bringen.

Wovon will ich mehr haben?

Wovon will ich weniger haben?

Womit will ich anfangen?

Womit will ich aufhören?

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Jetzt möchte ich dir noch eine wirklich tolle Übung zur Selbsterfahrung vorstellen. Ich mache sie auch immer gerne und sie hat mir oft weitergeholfen. Vor allem, wenn ich einen Konflikt mit einer anderen Person erlebe. Die Übung ist eine Selbstbefragung in vier Schritten und sie stammt von Byron Katie. Die Literaturangabe findest du ebenfalls am Ende des Artikels. Der erste Schritt besteht darin, dass du dein Urteil über den anderen Menschen, mit dem du den Konflikt hast, aufschreibst. Nehmen wir an, ich habe den Konflikt mit einem Menschen, der Klaus heißt. Und mein Urteil lautet: „Ich mag Klaus nicht, weil er mir nicht zuhört“. Jetzt wenden wir die vier Fragen einfach auf diesen Satz an.

  1. Ist das wahr? Ist es wahr, dass Klaus mir nicht zuhört? Horche nach innen und warte, bis die Antwort kommt.
  2. Kann ich wirklich wissen, dass das wahr ist? Kann ich mit Sicherheit wissen, dass Klaus mir nicht zuhört? Er könnte den Anschein erwecken, er hört mir nicht zu, aber eigentlich hört er mich doch…
  3. Wie reagiere ich auf den Gedanken? Oder was tue und was sage ich, wenn ich den Gedanken für wahr halte? Wie behandle ich Klaus? Wie behandle ich mich selbst?
  4. Wer wäre ich ohne diesen Gedanken? Wie wäre ich und was würde ich fühlen, wenn ich den Satz „Klaus hört mir nicht zu“ einfach nicht denken könnte. Besser? Friedlicher?

Letztendlich kannst du die ursprüngliche Aussage, die zum Konflikt beiträgt, umdrehen. Dann könnte daraus werden „Ich mag mich nicht, weil ich Klaus nicht zuhöre.“ Oder „Ich mag mich nicht, weil ich mir selbst nicht zuhöre.“ Manchmal ist die Umkehrung genauso wahr oder sogar noch wahrer. Und sie ist der Weg zu innerem Frieden.

Bitte denke jetzt nicht, dass jeder Konflikt an dir selbst liegt und du einfach nur mit dir selbst in ein Gespräch gehst und so den Konflikt löst. Erinnere dich an die Aussage weiter oben, dass es immer den goldenen Mittelweg braucht. Also auch den Mut, einen Konflikt anzusprechen. Der anderen Person zu sagen, was für dich wichtig ist, auch auf die Gefahr hin, dass sie dich dann nicht mehr mag. So ist es im Leben. Wir können und sollen es nicht allen rechtzumachen versuchen. Wenn du an einem Konflikt leidest, den du selbst noch nicht lösen konntest, kann dir auch eine professionelle Beratung helfen  https://inpowermind.at/lebens-und-sozialberatung/ 

Hast du Fragen? Dann kontaktiere mich per Mail post@inpowermind.at oder rufe mich an +436641600196.

In diesem Sinn, darf ich einen bekannten Spruch diesem Thema anpassen: Gott gebe mir Gelassenheit, einen Konflikt anzunehmen, den ich nicht ändern kann. Den Mut, einen Konflikt anzusprechen, den ich ändern kann. Und die Weisheit, den einen vom anderen zu unterscheiden.

Ja, das Leben ist komplex und Konflikte sind es auch. Ich wünsche Dir ein weitgehend harmonisches Leben, gespickt mit Konflikten, aus denen du gestärkt hervorgehst und viel lernst.

 

Literatur:

Schulz von Thun, Friedman: Miteinander Reden 2. Stile, Werte, Persönlichkeitsentwicklung. Reinbek bei Hamburg, 1992

Byron, Katie: Lieben, was ist. Wie vier Fragen ihr Leben verändern können. Goldmann, München: 2002